Clubtreffen 14.11.2022

Treffen des Hayek-Clubs Frankfurt am Main
Montag, 14. November  2022

19:00 bis 21:00 Uhr

Harald Bretschneider

Landesjugendpfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens 1979-1991, Oberlandeskirchenrat i.R., Dresden

„Schwerter zu Pflugscharen"
Wie ein Jugendpfarrer mithalf, den Unrechtsstaat DDR ins Wanken zu bringen

Regelmäßig erinnern wir im Hayek-Club an die mutigen Männer und Frauen, die in verschiedenen Bürgerrechtsbewegungen die friedliche Revolution in der DDR bewirkt haben. In der SED-Diktatur sind sie sehr große Risiken eingegangen, um Frieden, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu erlangen. Sie sind uns bis heute Vorbilder, wenn es darum geht, unseren demokratischen Rechtsstaat und unsere plurale und offene Gesellschaft zu erhalten.

Es ist uns eine besondere Freude und Ehre, den Initiator der Kampagne „Schwerter zu Pflugscharen“ und „Frieden schaffen ohne Waffen“ als Redner im Hayek-Club ankündigen zu dürfen: Der damalige Landesjugendpfarrer von Sachsen Harald Bretschneider ließ die Symbole im Herbst 1980 in Herrnhut auf Vliesrollen als Lesezeichen genehmigungsfrei drucken und brachte sie in Umlauf. Viele Jugendliche trugen sie an ihrer Kleidung. Die Stasi nannte ihn später den „größten Wehrkraftzersetzer der DDR“.

Wegen der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg wuchs Harald Bretschneider (80) in Leisnig in Sachsen auf. Nach Beendigung der Schule wollte er Architekt werden, was ihm aber verwehrt wurde. So studierte er Theologie in Leipzig von 1960 bis 1965. Bevor er in den Dienst der Kirche trat, begann er eine Lehre zum Zimmermann beim „Spezialbaukombinat Magdeburg“. In den Jahren 1966 bis 1967 war er Bausoldat bei der NVA und arbeitete danach weiter im Baukombinat.

1969 übernahm er seine erste Pfarrstelle in Wittgendorf bei Zittau. 1979 wurde er zum Landesjugendpfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens berufen. Herr Bretschneider gründete mehrere kirchliche Friedensgruppen und organisierte Treffen in Karl-Marx-Stadt, was ihm eine Bearbeitung als „feindlich-negative Person“ durch die Staatssicherheit einbrachte. Im Herbst 1980 initiierte er die Durchführung der ersten „Friedensdekade“ in der DDR und in den folgenden Jahren zahlreiche Veranstaltungen. Zu Konflikten mit der Kirchenleitung kam es, als Herr Bretschneider 1985 das Machtmonopol der SED in der DDR thematisierte.

Seit 1987 war Herr Bretschneider maßgeblich an der Vorbereitung der Treffen kirchlicher Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen „Frieden konkret“ in Leipzig beteiligt. Zugleich arbeitete er an der Konzeption eines Zivildienstes in der DDR, an dessen Einführung 1990 er mitwirkte. Im Herbst 1989 war er Verbindungsmann der Oppositionsgruppen in Leipzig und Dresden, betreute inhaftierte Teilnehmer der Montagsdemonstrationen und arbeitete in der „Gruppe der 20“ mit.

Von 1991 bis 1997 war er Leiter der Dresdner Stadtmission und danach bis 2007 Oberlandeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens als Amtsnachfolger des ermordeten Roland Adolph. 2012 wurde Herr Bretschneider für außerordentliches Engagement um die kirchliche Friedens- und Jugendarbeit durch Bundespräsident Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Er ist Mitglied im Stiftungsrat der Bürgerstiftung Dresden. Außerdem ist er Vorsitzender des 2018 gegründeten Vereins „Glaube, Mut und Freiheit – Christen in der DDR und danach“, der vor allem durch Zeitzeugeninterviews und Kolloquien festhält, was Christen in der Zeit der SED-Diktatur und danach bewirkt haben.

19:00

19:30

19:35

19:45

20:30

21:00

21:45

Sektempfang im Speisesaal

Begrüßung Dr. Clemens Christmann

Einführung Dr. Hans-Jörg Naumer

Vortrag Herr Harald Bretschneider

Abendessen

Diskussion

Ende und Ausklang an der Bar

Villa Bonn
Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft
Siesmayerstraße 12, 60323 Frankfurt
Parken im Hof der Villa Bonn
oder im Parkhaus Palmengarten, Siesmayerstraße 61
U6 / U7 Westend