Clubtreffen 17.06.2024

Treffen des Hayek-Clubs Frankfurt am Main
Montag, 17. Juni 2024

19:00 bis 22:00 Uhr

Jörg Drieselmann

Geschäftsführer Stasi-Museum in der Normannenstraße in Berlin 1992-2021
Vorsitzender der Antistalinistischen Aktion e.V. Berlin

„Disziplin bedeutet Freiheit“ –
Über die Funktion der Erziehung in der SED-Diktatur

Am 17. Juni 1953 kam es zu einem Volksaufstand in vielen Städten in der DDR. Anlässlich des Jahrestags, der lange unser nationaler Feiertag war, gedenken wir der mutigen Männer und Frauen, die für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit auf die Straßen gegangen sind. Wir halten die Erinnerung an die Verbrechen von SED und Staatssicherheit wach. Im nächsten Clubtreffen beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Funktionen die Staatssicherheit und das staatliche Erziehungssystem in der sozialistischen Diktatur hatten.

Als 18-jähriger Lehrling wollte Jörg Drieselmann (geb. 1955) am 13. August 1974 in Erfurt auf die Getöteten an der innerdeutschen Grenze aufmerksam machen. Er schrieb auf ein Plakat die am Abend zuvor in den heute-Nachrichten genannten Opferzahlen. Auf diese Aktion hin wurde er verhaftet und als „Rädelsführer einer staatsfeindlichen Gruppierung“ zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Nach Verbüßung der Hälfte der Haftstrafe wurde er 1976 von der Bundesrepublik freigekauft.

In West-Berlin holte er das Abitur nach und studierte an der Freien Universität. Nebenher unterstützte er andere freigekaufte Häftlinge. Während dieser Zeit wurde er weiter vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR verfolgt. Von 1985 bis 1990 war er Referent am Gesamtdeutschen Institut. Daneben war er von 1988 bis 1992 als Studienleiter beim Verein Haus der Zukunft tätig, dessen Vorstandsmitglied er seit 1996 ist.

Von 1992 bis 2021 war er Geschäftsführer des Stasimuseums in Berlin, das sich weitgehend selbst trägt und ohne staatliche Förderung auskommt. Es befindet sich in der Normannenstraße im Haus 1 auf dem ehemaligen Gelände der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Das Haus entstand in den Jahren 1960/61 als Dienstsitz Erich Mielkes, der von 1957 bis zum Ende der DDR Minister für Staatssicherheit war. Am 15. Januar 1990 nahmen Demonstranten die Stasi-Zentrale in Besitz. Eine Woche später beschloss der „Zentrale Runde Tisch“, ein Gremium aus Vertretern der SED-Diktatur und von Bürgerrechtsgruppen, dass in Haus 1 eine „Gedenk- und Forschungsstelle zum DDR-Stalinismus“ eingerichtet werden solle. Mitglieder des Berliner Bürgerkomitees und andere Bürgerrechtler begannen, den historischen Ort zu sichern. Sie gründeten im August 1990 die Antistalinistische Aktion (ASTAK), die am 7. November 1990 die „Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße“ eröffnete. Seither ist Haus 1 als Museum, das später in Stasimuseum umbenannt wurde, der Öffentlichkeit zugänglich.

Mit verschiedenen Ausstellungen informiert die ASTAK als Trägerverein des Museums die Besucher am historischen Ort über die Verbrechen der Staatssicherheit. Seit Januar 2015 ist im Haus 1 die Dauerausstellung „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“ zu sehen, die der Verein gemeinsam mit der Stasi-Unterlagen-Behörde erarbeitet hat. Jörg Drieselmann ist seit 2022 Vorstandsvorsitzender des ASTAK e.V. Im Jahr 2009 wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Themenbeschreibung des Referenten:
„Wie alle totalitären Ideologen streben auch die Kommunisten nach der Weltherrschaft. Auf dem Weg zur Macht soll die kommunistische Ideologie, der Marxismus-Leninismus, mit ihren Versprechungen „die Massen“ für die Revolution begeistern, sie zu zielorientiertem Handeln anleiten und zum Sieg führen.

Doch der Marxismus-Leninismus hatte einen entscheidenden Geburtsfehler: Karl Marx, der Schreibtischtäter, behauptete, das Proletariat werde allein auf Grund seiner sozialen Situation das nötige revolutionäre Bewusstsein entwickeln und mit seiner Revolution die „objektiven Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft“ vollstrecken. Wladimir Iljitsch Uljanow, der hochbegabte, ungeduldige Umstürzler, der sich später Lenin nannte, wollte jedoch darauf nicht warten. Er wollte die Revolution so schnell wie möglich. So verbreitete er die Idee, die Arbeiterklasse könne aus sich heraus nicht revolutionär werden, sie müsse von gebildeten Vertretern der herrschenden Klassen zur Revolution erzogen werden. Dass er damit die Zwangsläufigkeit des marxschen historischen Materialismus grundsätzlich außer Kraft setzte, schien ihn nicht weiter zu kümmern.

Wie die Erziehung trotzdem zum tragenden Pfeiler der kommunistischen Ideologie und damit zum entscheidenden Herrschaftsinstrument kommunistischer Diktaturen werden konnte, schildert der Referent in seinem Vortrag. Wer jetzt fürchtet, der Vortragsabend werde so eine Art langweilige Kaderschulung, nur mit umgekehrten Vorzeichen, täuscht sich. Ja, es werden die heiligen Schriften des Kommunismus zitiert, jedoch wird es im Wesentlichen darum gehen, anhand von Beispielen die SED-Diktatur in der DDR zu analysieren. Der Referent wird zeigen, dass diese Diktatur eine moderne Diktatur war und warum mancher Ostdeutsche heute ein Déjà-vu hat. Und wer bis zum Schluss durchhält, wird noch erfahren, was die DDR mit Al Capone gemeinsam hatte.“

 

19:00

19:30

19:45

20:30

21:00

22:00

Sektempfang

Begrüßung Dr. Clemens Christmann

Vortrag Jörg Drieselmann

Abendessen

Diskussion

Ende - Ausklang an der Bar

Villa Bonn
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